Dividendenpolitik im unvollkommenen Kapitalmarkt

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Dividendenpolitik im unvollkommenen Kapitalmarkt 2018-01-22T15:53:52+00:00

Dividendenpolitik im unvollkommenen Kapitalmarkt

Die Annahmen eines vollkommenen Kapitalmarktes, die getroffen wurden, um zu dem Ergebnis einer nicht relevanten Dividendenpolitik zu kommen, sind in der Realität nicht haltbar. Aus diesem Grund bleibt die Frage nach der Relevanz einer Ausschüttungspolitik noch immer offen. Es gilt jetzt, genau die Punkte, an denen der vollkommene Kapitalmarkt scheitert, nach dem Einfluss von Dividenden zu analysieren. Im Folgenden konzentrieren wir uns auf die Frage, welche Funktionen Dividenden bei verschiedenen Informationsverteilungen, dem Klientelproblem und im Gebiet der Behavioral Finance zukommen.

Signalwirkung von Dividenden

Eine Annahme, unter der die Irrelevanz der Dividendenausschüttungen im Vorherigen bewiesen werden konnte, war die Gleichheit der Informationsausstattung zwischen Geschäftsführung und Anteilseignern einer Unternehmung. Wenn diese Homogenität nicht mehr als gegeben angenommen werden kann, was in der Realität durchaus der Fall ist, bedeutet dies, dass der Dividende unter anderem eine Relevanz in Form einer Signalwirkung zukommen kann. Die Dividende soll den Anteilseignern signalisieren, wie es um das Unternehmen bestellt ist und wie die Manager die zukünftige Entwicklung einschätzen. Dieser Zusammenhang zwischen den Dividendenausschüttungen und der damit verbundenen Informationen wird in den sogenannten Signaling-Modellen analysiert.

Signalwirkung kann sich positiv auf Dividende auswirkenWie schon erläutert geht man von unterschiedlich gut informierten Marktteilnehmern aus. Es wird angenommen, dass das Management einen Informationsvorsprung gegenüber den Anteilseignern innehat. Hierbei geht man davon aus, dass die Geschäftsleitung im Sinne der Anteilseigner handelt, was bedeutet, dass sie, wenn sie ihren eigenen Nutzen maximieren, auch den der Anleger optimal erhöhen. Grundsätzlich muss nun festgestellt werden, dass die Unternehmen, also die Anbieter von Aktien, genaue Informationen über ihre Situation haben, während die uninformierten Anleger die einzelnen Unternehmen nur nach den durchschnittlichen Preisen bewerten können.Daher entsteht für Unternehmen mit überdurchschnittlich hohen Erträgen ein Anreiz, diese Information an die Nachfrager weiterzugeben, um den wahren Wert ihrer Anteile zu kommunizieren und damit das Vermögen der Anteilseigner zu erhöhen. Diese Informationsweitergabe kann nicht ohne Aufwand erfolgen, da dies die Zuverlässigkeit des Signals zerstören würde. Wenn dies der Fall wäre, könnten auch Unternehmen mit unterdurchschnittlichen Erträgen ein falsches Signal verbreiten und hätten dadurch keinerlei Kosten. Um nun sicherstellen zu können, dass es für die Geschäftsführung eines Unternehmens keinen Anreiz gibt ein falsches Signal zu senden, müssen für die Signalkosten folgende Bedingungen erfüllt sein. Nehmen wir an, es gibt überdurchschnittliche Unternehmen u1, durchschnittliche Unternehmen u2, und unterdurchschnittliche u3. Darüber hinaus gibt es drei verschieden starke Signale s1,s2,s3 und drei verschieden große Nutzen aus dem Setzen der verschiedenen Signale, genannt n(s1), n(s2) und n(s3). Dem Nutzen wiederrum stehen die Kosten für das Setzen der  verschiedenen Signale gegenüber, die sowohl negativ von der Stärke des Unternehmens u, als auch von der Stärke des Signals abhängen, c(si,ui). Mithilfe dieser Notationen lassen sich die für ein Signalgleichgewicht benötigten Bedingungen im Folgenden sehr anschaulich illustrieren. Die erste Bedingung besagt, dass der Nutzen aus dem Setzen eines zuverlässigen Signals die Kosten abdecken muss.

n1(s1) ≥ c(s1,u1) n2(s2) ≥ c(s2,u2) n3(s3) ≥ c(s3,u3)

Die zweite Bedingung besagt, dass es sich für ein unter- oder ein durchschnittliches Unternehmen nicht lohnen darf, ein überdurchschnittliches Signal zu senden.

c(s2,u2) ≤ n2(s2) < c(s2,u3)
c(s1,u1) ≤ n1(s1) < c(s1,u2)

Nur wenn diese beiden Bedingungen erfüllt sind, kann es zu einem Gleichgewicht kommen.Dies waren die allgemeingültigen Punkte, allerdings unterscheiden sich die einzelnen Signaling-Modelle dahingehend, dass sie teilweise unterschiedliche Annahmen im Bezug auf den Modellrahmen treffen. Unter anderem werden in den verschiedenen Modellen der zeitliche Rahmen sowie die Kosten, die durch die Signale entstehen, unterschiedlich definiert. Im folgenden sollen zwei der unserer Meinung nach wichtigsten Modelle vorgestellt, sowie die empirische Evidenz der Signaling-Theorie als solche untersucht werden.